Die letzte Strophe

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Die letzte Strophe

Beitrag von AC am So Apr 23, 2017 11:30 pm

Sehend erwachten meine Augen durch den Kuss des Morgen,
Erblicken – Lichtes Quell, über Bergen sich erhebend,
Sich spiegelnd in Lebenswassern,
Aus dem Tod geborgen, zum Vater strebend,
Netzend die Füße von Rashtuls Thron.

So wie im Regen zur Quelle der Tropfen
So kehr' im Tode zum Anfang ich zurück –
Tränkend den Baum, dessen Wurzeln
Heißen Erinnerung, dessen Blätter
Heißen Zukunft und Hoffnung.


– erste und letzte Strophe der Abschiedsverse
von Ishar ibn Ashra, um Bosparans Fall

AC

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Re: Die letzte Strophe

Beitrag von AC am Mo Apr 24, 2017 11:10 am

Zwischen den Furten, welche meines Fürsten [Herrscher, Sultan, Gebieter] Wurzeln [Ursprung, Anfang, Samen] bergen,
Ein Ort, der kennt kein Gestern und Heute und Morgen,
Eine Insel im Strome [Wasserlauf, Lebensborn],
ruhend auf im Strome ruhender Insel.
Dort wird, wenn Gegenwart [Augenblick, Jetzt, das Flüchtigste] umfesselt von War und Werden,
Meines Fürsten Erbe offenbar und
der Zeiten Werden und Vergehen entsiegeln.

AC

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Re: Die letzte Strophe

Beitrag von AC am Mo Jun 12, 2017 3:18 am

Endende Schönheit, Ende in Schönheit.
Der Schwan stirbt. Doch kommender Tod weckt seine Stimme.
Der Schwan singt.
Letzt' und einzig erhebt vollkommener Klang die Welt.
Der Schwan singt – und stirbt. Der Vollkommenheit folgt nur das Ende.
Mensch* und Welt suchen nach Vollendung.
Nach Vollendung enden Mensch und Welt.


*) wörtlich: „Ben Tulam“, also 'Sohn Tulams': ein Tulamide, gemeint ein Mensch


In die ausladenden Ornamente seiner Tughra (Namessigille) ließ Sultan Najara von seinem Boten Ishar folgende Worte einweben:

Najara ib Bheraimi – hört den Schwanensang seines Reiches.
Wie der Schwan, der vor seinem Tod ein einziges und letztes Mal seine Stimme zu einem Gesang von unendlicher Schönheit erhebt, um danach zu sterben, so endet auch dieses Reich in Schönheit und Vollendung.
Preiset Al'Mahmoud, da sich mit dem Tod des Schwanes der göttliche Wille erfüllt und mit Uns alle Zeit endet.

AC

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Re: Die letzte Strophe

Beitrag von AC am Mo Jun 12, 2017 3:18 am


Es endet die Sonne und beginnt die Nacht
und das Hoffen auf einen anderen Tag.
Wenn auch Licht vergeht, Diamanten-Glanz erlischt,
So bleibt doch der Stein – er dauert und ist.
Wenn auch nächtlicher Mantel fällt, Diamanten Herz verhüllt,
So wartet doch der Stein – er duldet und harrt.
Wenn auf die Nacht dann folgt ein anderer Tag,
Sodann, Diamanten-Glanz, erstrahl' in neuem Licht.


darunter die Tughra von Namuqtal ibn Najara



Dem Willen des Unergründlichen anvertraut:
der Schatz Unseres Herzens.
Seiner Macht unterworfen: die Zukunft Unseres Blutes.
In seiner Hand: Unsere Hoffnung auf einen neuen Tag.


Gravur auf der Brosche in urtulamidya

AC

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